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Totgesagte leben länger...
Liebe Leserinnen und Leser, "Gibt’s den IVS denn überhaupt noch???" Nach dem vermeintlichen Totalschaden im Rechte-Prozess wurde jetzt kolportiert, es hätte sich sogar um einen Unfall mit Todesfolge gehandelt. Was man auf Seiten der beinahe "unzähligen" Anwaltskanzleien der Beklagten bestimmt mit Freude aufgenommen hätte. Die Strategie, den Berufsverband der synchronisierenden Schauspieler durch die Anzahl der zu Felde ziehenden Kanzleien wirtschaftlich auszubluten, wäre dann erfolgreich gewesen. Und das, bevor man zu den eigentlichen Inhalten der Klage gekommen wäre. Gott sei Dank geht es aber in die zweite Runde, nachdem die Gegenpartei die vorgeschlagene Sprungrevision zum Obersten Deutschen Gericht abgelehnt hat. Vielleicht verblutet der IVS ja wenigstens im zweiten Anlauf... Dass aber selbst Schauspieler diesem Gerücht Glauben schenken, zeugt von der Unkenntnis über den IVS und die vielen Felder, die er für seine Mitglieder beackert. Ähnlich ergeht es übrigens auch dem Newsletter innerhalb der Schauspielerriege. Unsere "Neuigkeiten und Informationen aus der Synchronbranche" werden teilweise mehr auf der Verleiher- und Studio-Seite gelesen – oder in Klageerwiderungen zitiert – als von Schauspielern. Dabei enthält er viele interessante Informationen und wird von der Redaktion mit viel Herzblut verfasst. Aber Reaktionen gibt es leider nur äußerst selten, und Leserbriefe können seit seinem Bestehen noch an einer Hand abgezählt werden. Darauf möchte die Redaktion nun reagieren:Wir wollen den Newsletter bekannter machen. Wir wollen den Newsletter besser machen (durch konstruktive Kritik, auch von außerhalb des IVS – nur Mut –, und mehr Mitarbeit der Mitglieder). Wir wollen den Newsletter transparenter machen und versuchen, Informationen & Nachrichten von Meinung & Kommentar abzusetzen. Wir schreiben unter die Artikel unsere Namen, stehen aber als Redaktion für den gesamten Inhalt. Wenn der Vorstand des IVS im Newsletter schreibt, soll das in Zukunft deutlich gemacht werden, um Missverständnisse zu vermeiden... Grundsätzlich wollen wir in Zukunft auch einiges am Erscheinungsbild des Newsletter verändern, aber dazu mehr in der nächsten Ausgabe!

Liebe Grüße,

Nicolas Alexander Böll

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Wichtige Information des Vorstandes für die Mitglieder des IVS e.V.
Schauspieler/innen, die noch offene Forderungen gegen die Galileo Medien AG haben, sollten nicht zögern diese, sobald das möglich ist, bei dem zuständigen Insolvenzverwalter anzumelden. Nach Aussage eines Mitarbeiters der Kanzlei Leonhardt - Westhelle & Partner ist dies voraussichtlich ab dem 01.12.2008 möglich. Bis zu diesem Zeitpunkt hat das Amtsgericht darüber entschieden, ob das Insolvenzverfahren eröffnet wird. Dem Insolvenz- verwalter bekannte Gläubiger werden von diesem automatisch angeschrieben.

Trotzdem sollten alle Gläubiger auch jetzt schon ihre Forderungen noch einmal schriftlich der Galileo Medien AG übermitteln, um sicher zu gehen, dass sie mit ihrer Forderung auch erfasst werden.
Prof. Ralf Rattunde
Insolvenzverwalter der Galileo Medien AG

Kurfürstendamm 26a
10719 Berlin
Telefon: +49 (0) 30 885 90 3-0
Telefax: +49 (0) 30 885 90 3-100

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Außerordentliche Vollversammlung
Am 27. September 2008 fand in der "Luise" in Dahlem die 6. Außerordentliche Vollversammlung des IVS statt. Neben den Berliner KollegInnen waren diesmal auch Mitglieder aus München angereist, darunter Niko Macoulis und Hans-Georg Panzcak. Selbst Nicht-Mitglieder waren aus Interesse gekommen, da auch diese Vollversammlung allen offenstand! Der Vorstand des IVS informierte kurz über den Stand der Dinge in der Musterklage wegen der Urheberrechte und der Ände- rungen der Krankenversicherung ab 01. Januar 2009. Die meiste Zeit aber nahm das Thema Sozialversicherung ein. Wie in den Newslettern vom Mai, August und September dieses Jahres bereits ausführlich berichtet wurde, gibt es immer noch keine endgültige Einigung zum Thema Sozial- versicherung. Alle Firmen rechnen unterschiedlich ab. Bei einer Prüfung durch die Deutsche Rentenversicherung Bund kam heraus, dass nur EINE der Firmen sich korrekt an das 16-Fälle-Modell hält. Alle anderen Synchronfirmen rechnen nach diesem - durchaus strittigen und rechtlich nicht bindenden Modell - oft auch noch unkorrekt ab!
Trotz der eher trockenen Materie gelang es Hans-Georg, die Zuhörer über das Thema anschaulich und informativ aufzuklären: wie wir korrekt abzurechnen wären, dass es durchaus Rechtslücken gibt (Beispiel: Unständigkeit ist gesetz- lich geregelt als Beschäftigung bei verschiedenen Firmen über insgesamt mindestens 50 Tage pro Jahr. Sonderregelung für Synchronschauspieler: mind. 50 Tage/Jahr bei einer einzigen Firma!) und was uns Synchron- schauspieler vielleicht doch zu abhängig Beschäftigten und dadurch zu unständig Abzurech- nenden macht: Abhängig beschäftigt ist man z. B., wenn der ausführend Tätige "örtlich und zeitlich weisungsgebunden" ist. Dazu gab es Tipps, woran wir an unseren Abrechnungen erkennen können, wie wir abgerechnet wurden (außer daran, was uns alles abgezogen wurde oder auch nicht). Es gibt neben der Personalnummer immer auch eine Personengruppen-Nummer: die 910 steht für "selbstständig", die 101 für "kurzfristig" (d. h. tageweise Abrechnung) und die 118 für "unständig&qout;. Zu der Musterklage wurde kurz über das weitere Vorgehen berichtet. Des Weiteren wurde noch mal darüber gesprochen, dass neben der beklagten BSAG zahlreiche Synchronfirmen als so genannte Nebenintervenienten (sogenannte "Streitgenossen") vom Gericht zugelassen wurden, was den IVS im Falle einer Niederlage teuer zu stehen kommen würde. Bekanntermaßen wurde ja schon versucht, dem IVS den Rechtsan- spruch streitig zu machen – was erfolglos blieb! (vgl. Newsletter August 2008) Außerdem wurde daran erinnert, dass es zum 01. Januar 2009 eine Änderung in der Krankenversicherung gibt: Ab 2009 ist das Krankentagegeld nicht mehr in der gesetzlichen Grundversorgung enthalten, d. h., freiwillig gesetzlich Versicherte müssen sich diesbezüglich extra absichern. Wobei angemerkt wurde, dass die gesetzlichen Krankenversicherungen bisher kaum Angebote dazu offerieren und teilweise von den Änderungen selber überrannt wurden. Es gäbe bisher nur (teurere) Angebote der privaten Krankenkassen. So genannte Wahltarife werden in den nächsten Wochen den freiwillig Versicherten durch ihre gesetzliche Krankenversicherung zugesandt. Neben den informati- ven Vorträgen und den Erlebnis- berichten der Kollegen gab es im Anschluss die Möglichkeit, sich noch privat auszutauschen. Alles in allem wieder mal eine gute Gelegenheit, mit Kollegen ins Gespräch zu kommen und Einblick in die Arbeit des fleißigen Vorstandes und einiger enga- gierter Kollegen zu erhalten! Allen Beteiligten vielen Dank!

Ilona Otto,    Fotos: Nicolas Böll

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Galileo Medien AG in Insolvenz
Am 29.09. stand es im IVS-Forum. Da war es noch Befürchtung. Doch nur einen Tag später war es schon Gewissheit: Das Potsdamer Amtsgericht hat am 30. September 2008 im Fall des DVD-Anbieters und Mediendienstleisters Galileo Medien AG das Insolvenzverfahren eröffnet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Berliner Rechtsanwalt Prof. Rolf Rattunde mit Sitz am Kurfürstendamm 26a bestellt (Insolvenz-Aktenzeichen 35 IN 862/08). Auf der Internetseite von Galileo Medien (Link) findet man – ein klein wenig versteckt unter Investor Relations / Ja (Investor-Login bestätigen) / Newsletter* – einen offenen Brief vom 23.09. 2008, in dem Martin Irnich, Vorstand der Galileo Medien AG, den Aktionären der Galileo Medien AG mitteilt, dass sich trotz einer sehr "zufrieden stellend aussehenden" letzten Bilanz Liquiditäts-Probleme ergeben hät- ten, die inzwischen für das Unternehmen bedrohlich gewor- den seien. So hätte die Umstellung des Vertriebes auf einen neuen "Distributionspartner" zu "einigen ungeplanten Reibungsverlusten" geführt, die DVD-Umsätze seien in den Sommermonaten die "schlech- testen in der Geschichte des Unternehmens" gewesen und zu guter Letzt habe man auch noch Ende August einen Rechtsstreit mit einem "Mitbewerber" in erster Instanz verloren, der nicht gezögert habe, "sofort die streitige Summe zu vollstrecken, womit er die Konten der Galileo Medien AG blockiert hat". Gespräche mit der Investi- tionsbank des Landes Branden- burg führten nicht zu den gewünschten Darlehen, da die von der Bank genannten Voraussetz- ungen für eine Krediterteilung nicht erfüllen werden konnten. Martin Irnich äußert in diesem offenen Brief vom 23.09. 2008 seine Hoffnung, "dass das Unternehmen nach Durchführung einer Gläubiger- Vereinbarung wieder zahlungsfähig ist und nach der Umsetzung eines Sanierungs-Konzeptes seine Produkte und Dienstleistungen weiterhin auf dem deutschsprachigen Markt Gewinn bringend anbieten kann". Ein Insolvenzverfahren könne nur verhindert werden, "wenn die Aktionäre der Galileo Medien AG bereit sind, kurzfristig für maximal acht Monate dem Unternehmen Schuldscheindarlehen in Höhe von insgesamt 300.000 EUR als Liquiditätshilfe zur Verfügung zu stellen". Das hat nicht ganz geklappt. Denn am 30.09. wurde ja – siehe oben – wegen drohender Zahlungsunfähigkeit ein Insolvenzantrag gestellt.

Und wie geht’s weiter?
Wie es nun mit der Galileo Medien AG weitergeht, vermag niemand so richtig in der Öffentlichkeit zu sagen. Anvisiert war eine
Trennung der einzelnen Tätigkeitsbereiche in drei separate Tochtergesellschaften (der Bereich Synchronisation wäre dann bei Galileo Productions unterge- bracht). In einem Newsletter vom 01.10. 2008, in dem Martin Irnich die Aktionäre über das Eröffnen des Insolvenzverfahrens infor- miert, bringt er auch sein Interesse daran zum Ausdruck, "den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten, um eine Sanierung der Gesellschaft zu ermöglichen. Es ist offensichtlich, dass die im Unternehmen befindlichen Vermö- genswerte dies bei einer vernünftigen Neustrukturierung ermöglichen". Nun bedeutet Insolvenzverfahren nicht immer gleich die Schließung der betroffenen Firma. Es liegt eine Überschuldung oder eine drohende Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens (des Schuldners) vor. Das Insolvenzverfahren dient der Befriedigung der Gläubiger entweder durch Verwertung des gesamten Vermögens des Schuldners und anschließender Verteilung des Erlöses aus dieser Verwertung oder durch Festlegung einer vom gesetzlichen Regelverfahren abweichenden Regelung in einem Insolvenzplan, der der Sanierung und damit dem Erhalt des Unternehmens dient. Bei einer Verteilung des zu Geld gemachten Schuldner- Vermögens an die Gläubiger müssen Rangfolgen eingehalten werden. So stehen ganz weit vorn in der Schlange der Insolvenzverwalter, das Gericht und die Empfänger der Sozialabgaben, also die Träger der Renten-, Kranken- und Pflege- versicherung, die Agentur für Arbeit und natürlich das Finanzamt. An dieser Stelle würde es sich also rächen, wenn SynchronschauspielerInnen eine selbstständige Abrechnung bei Galileo Medien akzeptiert haben. Sie sehen nicht nur nichts von ihrer Gage, sie haben auch auf Beiträge in die Sozialversicherung verzichtet, die bei unständiger Abrechnung wenigstens noch die Chance hätten, aus der Insolvenzmasse eingezahlt zu werden. Der Rest vom Vermögen wird dann unter den übrigen Gläubigern, die allerdings ihre Ansprüche beim Insolvenzver- walter angemeldet haben müssen, nach einem gesetzlich vorgegebenen Verfahren verteilt.

Ein unmoralisches Angebot?
Normalerweise ist es aber das Bestreben des Insolvenzverwal- ters, eine Schließung des Unternehmens zu verhindern. So auch bei Galileo Medien. Deren Insolvenzverwalter kommt in einem im IVS-Forum veröffent- lichten Schreiben sogleich mit konkreten Vorschlägen. Er könne sich durchaus vorstellen, "dass die Synchronsprecher aufgrund der derzeitigen Lage der Gesellschaft für zukünftige Aufträge einen erhöhten Vergütungssatz mit der Galileo Medien AG vereinbaren können. Durch den erhöhten Vergütungssatz käme es somit zu einer Schadensminimierung durch die neuen Aufträge". Diese neuen Aufträge sind aber noch gar nicht auf dem Tisch. Denn es werde erst entschieden, "ob weitere Aufträge zur Synchronisation angenommen werden und demnach Synchron- sprecher beauftragt werden
müssen". Sollte dies der Fall sein, wird man sich mit den entsprechenden Synchronschau- spielerInnen "einzeln in Verbin- dung setzen". Man hat also durchaus erkannt, dass Synchron- schauspielerInnen nicht nur als GläubigerInnen betroffen sind und damit eigentlich an einem Erhalten von Galileo Medien interessiert sein müssten, sondern dass man bei einem Fortbestehen der Firma eben jene zum Teil betroffenen SynchronschauspielerInnen, die entweder "noch offene Forde- rungen haben" oder "eine spätere Nichtzahlung der dann erarbei- teten Forderung befürchten", schlichtweg benötigt. Eventuell aufkommende Bedenken werden von dem Insolvenzverwalter gleich mit ausgeräumt: "Die Vergü- tungsvereinbarung für zukünftige Aufträge würde mit einer Zahlungszusage durch uns erfolgen, sodass die Synchron- sprecher sicher sein können, dass eine Bezahlung auch erfolgt." Auch wenn eine mündliche Zusage vor Gericht vermutlich standhalten würde (vorausgesetzt, man kann sie anhand von Zeugen beweisen), wer gibt diese? Galileo Medien oder der Insolvenzver- walter? Bei Letzterem hätte man ja wenigstens noch jemanden, an den man sich bei Misslingen des Insolvenzplanes wenden könnte. Insolvenzverwalter bzw. Galileo Medien haben durchaus die Möglichkeit, auf Anfrage jedem angesprochenen Synchronschau- spieler ihren Insolvenzplan vorzulegen und die Machbarkeit dessen Durchführbarkeit zu erläutern. Und auch eine Zusage für Zahlungen dürfte in schriftlicher Form kein Problem sein. Solch eine (bestenfalls schriftliche) Zusage ist allerdings nicht mit einem so genannten Stillhalteabkommen zu verwechseln. Bei diesem ist die Schriftform üblich. Es hat zur Folge, dass alte Forderungen nicht mehr berücksichtigt werden.

Düstere Aussichten
Schlimmstenfalls droht bei den SynchronschauspielerInnen wegen wiederum nicht gezahlter Gagen ein noch höherer Schaden. Ein Schaden, der bereits besteht und den es nun, laut Insolvenz- verwalter, durch das Fortsetzen von Aufträgen gilt, zu minimieren. Sollte man meinen. "Letztlich muss für die Gläubiger in einem Insolvenzverfahren die Schadens- minimierung Ziel sein, da die Alternative allein der Total- verlust der offenen Forderung ist." Richtig. Wenn die Vergangenheit nur nicht gezeigt hätte, dass in der Synchronbranche kein Insolvenz- verfahren im Ergebnis nicht zur Schließung des betroffenen Unternehmens geführt hat. Insolvenzplan hin, Insolvenzplan her. Dann eben 3 bis 6 Monate später. In dem Falle, dass ein Insolvenzplan, der dem Erhalt der Firma dienen sollte, nicht funktioniert hat, kommt es letztendlich doch zur Verwertung des Schuldner-Vermögens und einer anschließenden Verteilung des Erlöses aus dieser Verwertung. Nur war bisher spätestens bei der Auszahlung der Gagen für die SynchronautorIn- nen, -regisseurInnen und -schau- spielerInnen der Topf immer längst leer.    * (Stand: 10.10. 2008)
Foto: Ilona Otto

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Aufgekauft. Zum Ersten…
Da werden sich aber Berliner Synchron AG, Interopa, FFS und Co. in Zukunft warm anziehen müssen: Kaum von jemandem bemerkt, in den Medien eher mit geringem Interesse bedacht, erfährt man, eine gezielte Recherche vorausgesetzt, auf nur wenigen deutschsprachigen Internetseiten, dass die SDI Media Group im Juli d. J. das Berliner Synchronstudio Blackbird Music Musik- und Filmsynchron Produktion GmbH aufgekauft hat. Das allein ist für die Wettbewerber sicher noch nicht so tragisch. Die SDI Media Group ist ein international tätiger, "weltweit führender Anbieter von Untertitel- und Synchronisationsdienstleis- tungen für die Unterhaltungs- branche" mit Hauptsitz in Los Angeles. Auf der Internetseite ist des Weiteren zu erfahren, dass man u.a. in über 30 Sprachen Synchronisationen "für Filme, Live-Action und animierte Fernsehserien, interaktive Spiele, Werbevideos, Dokumentarfilme, Weiterbildungsvideos und Firmen- präsentationen" erstelle und mit modernsten Aufnahmestudios zusammenarbeite. "Seit der Einführung der DVD ist SDI Media führend bei der Erstellung von Untertiteln oder Einblendungen und Sprachsynchronisation für DVD-Produkte." Viel interessanter für die Synchronbranche an sich dürfte da schon die Tatsache sein, dass SDI Media im Juli 2004 von Warburg Pincus LLC einverleibt wurde, einem seit 1971 führenden privaten Geldgeber, der zurzeit, so auf der Website von SDI Media nachzulesen, 14 Milliarden Dollar verwalte. "Seit ihrer Entstehung hat die Firma über zwei Milliarden Dollar in über 70 Medienfirmen investiert" und verfügt über "ein aktives Portfolio von circa 125 Firmen" (Stand 09/2008). Es geht um eines: Rendite.
Die Praxis zeigte bisher, dass Investoren normalerweise mit dem Anlegen ihres Geldes nur eines wollen: Rendite. Aber nicht nur zu mageren Sparbuch-Prozenten. Ganz bestimmt nicht. Mal zum Vergegenwärtigen: Als 2005 der britische Medien-Konzern Mecom u. a. den Berliner Verlag aufkaufte, schwebte dem Geschäftsführer von Mecom, David Montgomery, laut sueddeutsche.de eine Rendite von sage und schreibe 25 Prozent auf das eingesetzte Kapital vor. (Medienhandbuch.de und zeit online sprechen von "nur" 18 bis 20 Prozent.) Um dies zu erreichen, war geplant, den Etat von 16 auf
maximal 14 Mio. Euro zu schrumpfen und im Berliner Verlag 40 Stellen zu streichen. (2007 verdiente die Berliner Zeitung 8,5 Mio. Euro. Das entsprach einer Rendite von immerhin ca. 15 Prozent.) Die Berliner Zeitung ist seit 2005 nicht Eigentum eines erfahrenen Verlagshauses, sondern das eines echten Investors. Ein derart finanzstarkes Unternehmen wie SDI Media hat sich also Blackbird Music geschnappt. Barry Perlstein, der Geschäftsführer der SDI Media Group, meinte, dass seine Kunden durch den Erwerb von Blackbird einen Zugriff zum weltgrößten Synchronmarkt haben. "Mit diesem Kauf dehnen wir unsere weltweiten Aktivitäten auf einen wichtigen Markt aus, in dem wir eine steigende Nachfrage erleben." Die regionalen Niederlassungen befinden sich bisher in London, Stockholm und Hongkong, weitere Büros in Dänemark, Estland, Finnland, Israel, Korea, Lettland, Libanon, Litauen, Niederlande, Singapur, Slowenien, Taiwan, Thailand und Toronto. Und nun ist ein weiterer Standort hinzugekommen – die Rheingaustraße im Berliner Ortsteil Friedenau –, "von dem aus wir unsere Geschäftsaktivitäten in die zentralen europäischen Märkte wie Frankreich, Italien und Spanien erweitern", so Barry Perlstein. Zeit wird's aber auch. Irgendwie. Schließlich ist Deutschland ja weltgrößter Synchronmarkt. (s. o.)

Noch günstigere Preise
In einer durchaus als kritisch und realistisch einzuschätzenden Auseinandersetzung mit der Verschärfung eben jenes deutschen Synchronmarktes begründet Andreas Hommelsheim, der Geschäftsführer von Blackbird Music, in einem offenen Brief allen Usern von unter dem Link NEWS den Verkauf seiner Firma mit einem heftigen Preiskampf auf dem Synchronmarkt, der dazu geführt hat, "dass sich die Preise entgegen den allgemeinen Kosten
in allen Bereichen immer weiter nach unten entwickelt haben. Um diesen Gegensatz bewältigen zu können, haben manche Firmen den Weg eingeschlagen, der Qualität nicht mehr die gebührende Aufmerksamkeit zu widmen und so Kosten zu sparen." Dieser Weg erscheine ihm aber für Blackbird nicht der richtige zu sein. Stattdessen sei er zu der Überzeugung gelangt, dass er und seine Mitarbeiter den Kunden "noch mehr Service und Studiokapazitäten anbieten sollten, um dabei gleichzeitig sehr attraktive Preise gestalten und die Existenz unserer Firma langfristig sichern zu können". "Bei gleich bleibender und ständig verbesserter Qualität" verspricht sich Andreas Hommelsheim mit dem Verkauf seiner Firma, "noch günstigere Preise anbieten zu können". So weit, so gut. (Oder auch nicht.) Aber warum wünscht er sich dann für die Zukunft, "dass alle unsere Kunden Verständnis" für seine Entscheidung aufbringen werden? Zumindest den Kunden werden doch wohl "noch günstigere Preise" gefallen. Verständnis werden sie dafür allemal haben. Wie auch immer, was unterm Strich wirklich dabei herauskommt, wird, wie so oft im Leben, erst die Zukunft zeigen. Laut SDI Media ist deren Eigentümer Warburg Pincus "eine weltweit agierende Beteiligungs- gesellschaft, deren Investitionen mit einer langfristigen Perspektive angelegt sind … Die durchschnitt- liche Investitionsdauer liegt zwischen fünf und sieben Jahren." Immerhin. Auf der Homepage von Blackbird Music steht jedenfalls geschrieben, dass es Teil der Vereinbarung ist, "dass SDI und Blackbird neue Aufnahmestudios bauen werden, um den Umfang ihrer Geschäftsaktivitäten zu erweitern". Mehr Studios also, mehr Technik, mehr Mitarbeiter, mehr Synchronisationen? "Unser Mitarbeiterstab bleibt unverän- dert", so Andreas Hommelsheim auf der Website von Blackbird.
Redaktionschluss dieses Artikels war am 10.10. 2008.

Nachtrag: Derzeit ist das Wort Finanzkrise aus keiner Nachrich- tensendung mehr wegzudenken. Ihre Auswirkungen spüre man mittlerweile auch in Deutschland. Doch es mehren sich auch immer häufiger Meldungen, die davon berichten, dass einige der so genannten Heuschrecken im Strudel der Finanzkrise auf der Strecke geblieben seien. Aber auch, dass das viele "Heuschrecken", die das (bisher) verhindern konnten, zum Teil auf Kosten der kleinen, von ihnen aufgekauften Firmen getan haben – indem sie ihre Schulden auf eben jene kleinen Unternehmen übertragen haben sollen, die diese Last dann nicht mehr tragen konnten.
Jörg Hartung       Fotos: Ilona Otto

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Bloß kein Neid!
Boah - Schauspieler müsste man sein! Na schön, zugegeben: ein erfolgreicher und vor allem ein berühmter. Und dazu noch in den USA. Aber dann – dann würde das Geld nur so fließen, hat doch das Onlineportal Manager-Magazin.de herausgefunden, dass zum Beispiel Will Smith im Jahr schlappe 82 Mio. Dollar erhält (nicht verdient, dieses Wort hat ja im Deutschen eine Doppelbedeutung) und somit derzeit der bestbezahlte Schauspieler (vermutlich der Welt) sein dürfte. Dicht auf den Fersen sind ihm mit "nur" 72 Mio. Dollar Jahresgehalt Johnny Depp und Eddie Murphy, der sich mit 55 Mio. Dollar zufrieden geben muss, gefolgt von Leonardo DiCaprio (45 Mio. Dollar) und Bruce Willis (41 Mio. Dollar). Aber auch die Fernsehschauspieler in den USA müssen nicht darben: Laut der amerikanischen Zeitschrift TV-Guide ist Charlie Sheen in 2008 der absolute Großverdiener unter ihnen. Für eine einzige Folge von Mein cooler Onkel Charlie, in deren Synchronfassung Sheen von Benjamin Völz gesprochen wird, bekommt er umgerechnet 562.147 Euro* (825.000 Dollar), wobei allerdings auch die Einnahmen mitgerechnet wurden, die er als Rechteinhaber der Serie kassiert. Am zweitbesten wird William L. Peterson, der den Chefermittler Gil Grissom in CSI – Den Tätern auf der Spur mimt, belohnt: Auf sein Konto (nicht auf das von seinem deutschen Synchronsprecher Hubertus Bengsch) fließen pro Folge angeblich 600.000 Dollar (408.834 Euro*), obwohl er in den letzten Staffeln immer seltener zu sehen sein wird. Bestverdienende Serienschauspielerin dürfte Mariska Hargitay (gesprochen von Anja Godenschweger) aus der Serie Law & Order: New York sein. Frau Hargitay erhält für jede Folge 400.000 Dollar, was derzeit 272.556 Euro* ergeben würde. Ihr folgt Kyra Sedgwick (deutsche Stimme: Ghadah Al-Akel), die als Chief Brenda Johnson in The Closer ein Gehalt von 275.000 Dollar (187.382 Euro*) pro Folge auf ihr Konto überwiesen bekommt. Auf Platz drei der Männer befindet sich (mit der Stimme von Tobias Meister) Kiefer Sutherland mit rund 500.000 Dollar (340.695 Euro*) pro Folge in 24. Aufgrund des Riesenerfolgs der Serie Dr. House entlohnt man Hugh Laurie (nicht dessen Sprecher Klaus Dieter Klebsch), den Hauptdarsteller der Serie, der auch Mit-Produzent der Serie ist, mittlerweile mit fast 400.000 Dollar (272.556 Euro*) pro Folge. Hochgerechnet dürfte sich ein Jahreseinkommen von immerhin etwa 9 Mio. Dollar ergeben, die in Europa allerdings auf nur noch knapp über 6 Mio. Euro* schrumpfen würden. Der US-Schauspieler Matthew Fox (gesprochen von Peter Flechtner) bekommt künftig für jede Folge der Serie Lost einen 225.000-Dollar-Scheck überreicht. Damit hat er mit den Damen der Wisteria Lane gleichgezogen: Die Hauptdarstel- lerinnen aus Desperate Housewives gehen mit ebenfalls 225.000 Dollar (153.313 Euro*) pro Folge nach Hause. Nun könnte man annehmen, dass diese Summen aufgrund schauspie- lerischer Leistungen gezahlt werden. Dem kann durchaus so sein – muss aber nicht: Bestbezahlte amerikanische Synchronsprecherin ist Nancy Cartwright. Dafür, dass sie im Original Bart und Maggie Simpson ihre Stimme leiht (in der Synchronfassung spricht Sandra Schwittau wohl nur Bart), erhält sie aktuell 400.000 Dollar (272.556 Euro*) pro Folge der Serie Simpsons. Über gleichen Verdienst können sich auch die anderen Hauptsprecher der Serie freuen. Durchgesetzt haben sie diese Summe aber erst nach wochenlangem Streik. Denn vorher brachte ihnen jede Folge "nur" 360.000 Dollar (245.300 Euro*). Die 20. Staffel wurde aus Spargründen sofort um zwei Folgen gekürzt.

Ob all diese Zahlen nun wirklich stimmen und auf welchem Weg sie letztendlich an die Öffentlichkeit gelangt sind, vermag niemand so genau zu sagen. In Deutschland jedenfalls ist der Verdienst der Schauspieler ein wohl behütetes Geheimnis. Sueddeutsche.de zitiert den "Bundesverband der Schauspieler" mit einer Gehaltsspanne von 500 für Anfänger bis zu 5.000 Euro für Stars pro Drehtag (für diese Summe bekam man am 25.09.08 immerhin Schwindel erregende 733,80 bzw. 7.337,95 US-Dollar am Bankschalter ausgehändigt) und verweist sogleich darauf, dass das nur ein Anhaltspunkt sei. "Das individuelle Gehalt kann je nach Ausbildung, Berufserfahrung, Position, Branche, Ort etc. nach
oben oder unten abweichen." Bekanntheitsgrad und Verhand- lungsgeschick des Einzelnen dürften auch noch eine nicht unerhebliche Rolle beim Gehaltspoker spielen. Die Privatsender würden normaler- weise mehr zahlen, denn hier werde mit einer ausgehandelten Tagesgage alle Rechte abgegolten. In den USA verdienen nicht nur die Schauspieler, sondern auch die Synchronsprecher gar nicht so schlecht, in Japan haben die Sprecher der so genannten Animes sogar eine Art Kultstatus. Sie werden dort gefeiert, als wären sie selbst die Comic-Helden. Und in Deutschland? Da spricht bei den Simpsons seit der Folge 12 der 17. Staffel Anke Engelke die Marge Simpson. Und auch Christoph Maria Herbst bekam eine wenn auch nur kurze Sprechrolle in dieser Serie. Otto Waalkes sprach das Faultier Sid in Ice Age, Ilja Richter den Timon in König der Löwen, Michael "Bully" Herbig den Jungen Kuzca in Ein Königreich für ein Lama, die "Komiker" Erkan und Stefan gaben den beiden Hammerhaien Hammer und Hart in Findet Nemo ihre Stimmen, und für die Vertonung des deutschen Trickfilms Urmel aus dem Eis konnten Prominente wie Wigald Boning, Christoph Maria Herbst, Oliver Pocher und Anke Engelke überredet werden, mitzusprechen. Und in Bälde wird nun auch noch das Urgestein deutschen Humors, Dieter Hallervorden, für den Ki.Ka mit seiner Stimme einen gewissen Dr. Gehirnkopf aus der Zeichentrickserie Cosmic Quantum Ray beglücken. Allem Anschein nach gibt es also auch unter den deutschen Synchronsprechern ein paar "Groß"verdiener. Aber normal ist das wohl eher nicht.

Jörg Hartung



Foto: www.freeimages.co.uk
* alle Angaben: Stand 25.09.2008

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Moral-Apostel
Moral die;-,en (Plural selten): Gesamtheit von ethisch-sittlichen Normen, Grundsätzen, Werten, die das zwischenmenschliche Verhal- ten in einer Gesellschaft regulie- ren, die von ihr als verbindlich akzeptiert werden.
(aus: DUDEN, Bd. 5)

Etwas so Gutes noch zu steigern, scheint kaum möglich (damit meine ich aber nicht die Doppel-Moral, die ja auch – vereinzelt – in unserer Gesellschaft anzutreffen ist!)! Doch da gibt es noch etwas: die Zahlungs-Moral, an der sich u. a. der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt – nach dem Motto: Geld verdirbt nicht den Charakter, es legt ihn frei! Neben der immer perfekteren Jagd nach Rabatten und Schnäppchen ist das höchste
Ziel, eine Ware so schnell wie möglich zu kriegen und so spät wie möglich zu bezahlen. Das ist zwar nicht besonders moralisch, wird aber als legitime Überlebensstrategie ("Mir schenkt auch keiner was!") betrachtet. Bekanntermaßen müssen wir "Synchronschaffenden" monatlich unsere Miete und vieles andere zahlen, das sich nicht "ziehen" lässt. Nicht zuletzt das Finanzamt ist bei Säumniszuschlägen schneller, als manche/r von uns " Gagenerhöhung" sagen kann! Andererseits: Auch eine Synchronfirma hat regelmäßige Zahlungsverpflichtungen, die sich nicht aufschieben lassen. Bei vorhandener Zahlungs-Moral gehören dazu auch unsere Gagen. Unser Konsens, nur bei Firmen zu arbeiten, die pünktlich zahlen (= 20. des Folgemonats!), ist in der Praxis brüchig geworden. Und wieder mal sollten wir uns an die eigene Nase fassen, warum das passiert ist!? Same old story: Was wir von den Synchronfirmen fordern (ganz besonders von denen im BVDSP), müssen wir auch für uns umsetzen, ob es um pünktliche Überweisungen, Cutterinnen-lose Ateliers oder 40-Takes-pro-Stunde-Dispos geht. Wir können lange darauf warten, dass sich etwas ändert, ohne dass wir uns – mehrheitlich – dazu "verhalten"! Das ist keine Frage der Logik, nur eine der Moral.


Stefan Krause